Vom Spätsommer in den Herbst
Die Natur zeigt uns jedes Jahr einen vertrauten Übergang: Auf die Fülle und Wärme des Sommers folgt der Spätsommer – die Zeit der Erde. Sie ist der Moment der Reife und Ernte, in dem wir das Gelebte aufnehmen, verdauen und in uns bewahren. Erde schenkt uns die Kraft, Eindrücke und Nahrung zu integrieren – und damit die Stabilität, die wir für den nächsten Schritt brauchen.
Doch die Erde bleibt nicht stehen. Ihr Platz im Zyklus der Fünf Elemente ist die Schwelle, das Wandeln von einem Zustand in den nächsten. Und so führt sie uns unweigerlich zum Metall, dem Element des Herbstes.
Die Bewegung nach innen
Wenn der Herbst beginnt, spüren wir, wie sich die Kräfte nach innen richten.
Die Tage werden kürzer,
die Luft kühler und trockener,
das Licht schärfer, klarer.
Es ist eine Zeit der Sammlung und des Abschieds. Die Bäume lassen ihre Blätter fallen – nicht, weil sie schwach geworden wären, sondern weil es der natürliche Weg ist, Überflüssiges loszulassen. Das, was keinen Bestand haben soll, darf vergehen und sich in etwas Neues verwandeln.
Metall, Loslassen und der verborgene Schatz
Loslassen und Trauer gehören untrennbar zum Herbst. Das Schriftzeichen für Metall (金, jīn) erinnert uns daran: Es zeigt zwei kleine Goldkörner, die von Erde überdeckt sind.
Damit diese Körner – unsere wahre Essenz, das, was uns wirklich ausmacht – überdauern können, braucht es das Fallen der Blätter. Erst wenn wir loslassen, entsteht das Laub, das den Boden bedeckt, sich zersetzt und zu Mulch wird. Dieser Mulch nährt, schützt und bewahrt das Gold, das bleiben soll.
So fordert uns das Metall-Element auf, klar zu unterscheiden:
Was gehört wirklich zu mir?
Was hat keinen Bestand und darf zurück in den Kreislauf?
Alles, was wir gehen lassen, wird zu Mulch, zu nährendem Boden. Und nur das Wesentliche, das Bedeutung hat, bleibt bestehen.
Trauer als Teil des Kreises
Trauer, Rückzug und Schwere sind keine Gegensätze zu Wert und Klarheit – sie gehören dazu. Ohne das Fallen der Blätter gäbe es keinen fruchtbaren Humus. Ohne den Verfall keine Erneuerung. Ohne das Dunkel keine Sammlung.
So zeigt uns der Herbst, dass das Ende nicht das Ende ist, sondern die Bedingung für neues Leben. Er lehrt uns, dass Loslassen die Voraussetzung dafür ist, dass das Wesentliche bewahrt werden kann.
Eine Einladung
Vielleicht möchtest du dir in diesen Tagen die Frage stellen:
Was darf in mir zu Mulch werden?
Was trägt mich wirklich und bleibt bestehen?
Wo finde ich die kleinen Goldkörner, die meinen wahren Kern zeigen?
Indem wir loslassen, legen wir frei, was uns ausmacht – und bereiten den Boden, auf dem das Kommende wachsen kann.
Ausblick
Bevor wir nun ins Metall-Element eintreten, erscheint am 01.10. noch ein weiteres Workbook zur Erde:
„Die Milz im Mittelpunkt“
Ernährung, Yi und die Kunst, das Leben zu verdauen
Dieses Workbook ist wohl das praktischste bisher: Es verbindet eine detaillierte Möglichkeit zur Selbstdiagnostik mit anschließenden Lebensmittellisten für den Kühlschrank. Dazu kommen vertiefende Einblicke in das Thema Verdauung – und wie der Yi als Spirit in das große Ganze der Fünf Elemente eingebettet ist.
Das Workbook sowie viele weitere spannende Inhalte – von Artikeln über Kräuter und Rezepte bis hin zu Übungen im Rhythmus der Elemente – sind Teil der Wandelwerk-Mitgliedschaft (18 € monatlich, jederzeit kündbar).
Wer mag, kann das Workbook auch einzeln erwerben.



