Winter, Kälte und dein inneres Feuer
Welche Nahrungsmittel du im Winter aus Sicht der chinesischen Medizin besser meiden solltest
Draußen ist es kalt.
Und unser Körper tut alles dafür, diese Kälte draußen zu halten.
Er zieht sich zurück, schützt seine Wärme und versucht, das innere Feuer zu bewahren – besonders das Verdauungsfeuer. Denn nur wenn dort genügend Wärme vorhanden ist, können Nahrung verarbeitet, Energie gewonnen und alle inneren Prozesse zuverlässig funktionieren.
Im Winter ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern eine tägliche Aufgabe.
Und jedes Mal, wenn wir dieses Feuer nicht pflegen, ist es ein bisschen so, als würden wir kaltes Wasser darauf gießen – immer wieder, oft unbemerkt. Vor allem morgens.
Temperatur ist mehr als nur heiß oder kalt
Dabei geht es nicht nur um die Temperatur eines Lebensmittels oder Getränks in dem Moment, in dem wir es zu uns nehmen. In der chinesischen Medizin unterscheiden wir zusätzlich zwischen der physikalischen Temperatur und der energetischen Wirkung.
Ein Tee kann heiß sein – und dennoch kühlend wirken.
Pfefferminztee ist ein klassisches Beispiel: Er wird warm getrunken, wirkt energetisch jedoch kalt. Er öffnet, zerstreut und leitet Wärme nach außen. Im Sommer kann das sinnvoll sein. Im Winter wirkt es oft genau entgegen dem, was der Körper gerade versucht zu tun.
Und im Winter verstärkt sich dieser Effekt noch einmal deutlich.
Die äußere Kälte potenziert die kühlende Wirkung bestimmter Lebensmittel – besonders auf Verdauung, Energie und innere Wärme.
Eine kurze, wichtige Einordnung
In der chinesischen Medizin gibt es keine Lebensmittel, die für alle Menschen zu jeder Zeit gleich wirken.
Menschen mit ausgeprägter innerer Hitze oder Leere-Hitze, etwa bei starkem Yin-Mangel, können kühlende Lebensmittel in Maßen oft gut vertragen oder sogar benötigen.
Für die meisten Menschen im Winter gilt jedoch etwas anderes.
Wer zu Qi-Mangel, allgemeiner Erschöpfung, Yang-Schwäche, Kältegefühl oder Feuchtigkeit neigt, reagiert auf kühlende und rohe Lebensmittel deutlich sensibler. Gerade in der kalten Jahreszeit wirken sie nicht ausgleichend, sondern zusätzlich belastend. Kälte von außen trifft auf Kälte von innen.
Die folgenden Beispiele richten sich deshalb an all jene, deren System im Winter vor allem Wärme, Stabilität und Unterstützung braucht.
Joghurt, Kuhmilch und Banane – die denkbar schlechteste Wahl im Winter
Joghurt oder Kuhmilch mit Banane gilt für viele noch immer als leichtes, gesundes Frühstück oder schneller Snack.
Aus Sicht der chinesischen Medizin ist diese Kombination für die meisten Menschen die denkbar schlechteste Nahrung überhaupt – und im Winter verschärft sich ihre Wirkung zusätzlich.
Beides wirkt kühlend und befeuchtend. Joghurt und Milch schwächt das Verdauungsfeuer, Banane verstärkt Kälte und Schleimbildung. Zusammen genommen belasten sie die Mitte, statt sie zu unterstützen. Viele Menschen spüren das nicht sofort, sondern erst mit der Zeit: als Völlegefühl, Trägheit, kalte Hände und Füße, weichen Stuhl oder zunehmende Erschöpfung.
Orangen – reif für ein anderes Klima
Orangen gehören für viele selbstverständlich zur Winterzeit. Energetisch erzählen sie jedoch eine andere Geschichte.
Orangen reifen in Regionen, in denen es heiß und trocken ist. Dort helfen sie, Hitze auszugleichen und Flüssigkeiten zu bewahren. In kalten, feuchten Wintern wirken sie roh gegessen jedoch kühlend und befeuchtend – genau das, was viele Körper jetzt nicht brauchen.
Gekocht und erwärmt, etwa im Glögg mit Traubensaft und wärmenden Gewürzen wie Zimt und Nelken, sind sie im Winter besser integrierbar. In Maßen können sie bei trockenen Schleimhäuten, die durch trockene Heizungsluft stark beansprucht sind, einen ausgleichenden Beitrag leisten.
Roh gegessen wirken Orangen im Winter weiterhin kühlend, belasten häufig die Verdauung und bringen zur äußeren Kälte zusätzlich innere Kälte in das System.
Pfefferminztee – warm getrunken, kühlend wirkend
Pfefferminztee wird oft als wohltuend empfunden, besonders bei Völlegefühl oder innerer Unruhe. Energetisch wirkt er jedoch kühlend und zerstreuend. Er öffnet die Oberfläche und leitet Wärme nach außen.
Für Menschen, die im Winter schnell frieren, erschöpft sind oder wenig innere Substanz haben, verstärkt Pfefferminze genau das Gefühl von Kälte und Leere – auch wenn der Tee heiß ist.
Overnight Oats – gut gemeint, aber oft zu kalt
Overnight Oats sind praktisch und beliebt. Energetisch bleiben sie jedoch roh und kalt – selbst wenn sie aus hochwertigen Zutaten bestehen.
Gerade morgens fordern sie viel Verdauungsenergie, liefern aber wenig wärmende Unterstützung. Viele bemerken die Wirkung erst über Wochen: als Schwere, Müdigkeit oder mangelnde Stabilität.
Ein warmer Haferbrei mit etwas Zimt wirkt hier grundlegend anders.
Wärme ist im Winter keine Regel – sondern Fürsorge
Es geht im Winter nicht um Verbote oder Perfektion.
Es geht darum, dein inneres Feuer nicht unnötig zu löschen.
Wärme ist in dieser Jahreszeit eine Form von Fürsorge – in der Zubereitung, im Rhythmus, im Alltag.
Und manchmal beginnt sie ganz schlicht: mit einem warmen Frühstück.
Wenn Ernährung Tiefe bekommt
Was wir im Winter essen, wirkt nicht nur auf die Verdauung.
Es berührt auch die tieferen Schichten unseres Systems.
Die Milz entscheidet darüber, ob Nahrung in Qi, Stabilität und Alltagstauglichkeit verwandelt werden kann.
Die Nieren tragen unsere innere Wärme, Substanz und langfristige Kraft.
In meinen Arbeitsbüchern zur Milz und zu den Nieren verbinde ich genau diese beiden Ebenen:
Ernährung als tägliche Praxis für die Mitte –
und Winterpflege zur Stärkung der Tiefe.
Beide Arbeitsbücher sind im Shop auf meiner Webseite erhältlich.
Sie enthalten übersichtliche Nahrungsmitteltabellen zu den jeweiligen Mustern, klare Erklärungen dazu, wer was essen kann, sowie theoretische Grundlagen aus der chinesischen Medizin, Reflexionsfragen und praktische Integrationsimpulse für den Alltag.
Ein ruhiger Weg, das innere Feuer nicht nur zu schützen –
sondern es von der Mitte bis in die Tiefe zu nähren.



