Wie du Wärme empfindest – und was es über dich aussagt
Yin und Yang, Hitze und Kälte – und warum manche die Sonne lieben, während andere lieber in die Berge fliehen
Wir sind verschieden.
Das weißt du längst – doch in der chinesischen Medizin wird diese Unterschiedlichkeit auch zu einem diagnostischen Werkzeug.
Eine der wichtigsten Fragen, die ich meinen Patient:innen stelle, lautet:
Wie empfindest du Wärme?
Nicht nur im Sommer – sondern auch im Alltag, im Körper, im Kontakt mit Sonne, Kleidung, Bett oder Essen.
Das Empfinden von Wärme (oder Kälte) verrät viel über das Gleichgewicht von Yin und Yang, darüber, ob der Körper Unterstützung in seiner Kälte braucht oder ob er in seiner Hitze beruhigt werden muss.
Dieser Text ist ein Vorgeschmack – eine kleine Einführung, wie die chinesische Medizin über Wärme und Wärmewahrnehmung denkt.
Später in dieser Woche beginnt meine neue Artikelserie über die Grundlagen der chinesischen Medizin – mit Werkzeugen, die dir Schritt für Schritt helfen, deinen Körper besser zu verstehen.
(Das ist kostenlos – und ja, du kannst jederzeit einsteigen.)
Yin-Mangel & innere Leere-Hitze
Du fühlst dich schnell überhitzt.
Es ist, als ob die Wärme im Körper „stecken bleibt“. Schlaf wird oberflächlich, du wachst erhitzt auf, wirst reizbar, bekommst Rötungen, fühlst dich innerlich aufgedreht.
Oder deine Symptome verschlimmern sich durch Wärme: Ekzeme, Blasenentzündungen, Halsschmerzen, Rosacea, Herzklopfen.
Der Körper brennt – aber nicht auf gute Weise.
Typische Zeichen für Yin-Mangel oder innere Hitze:
Hitzewallungen oder Nachtschweiß
Trockenheit – Haut, Augen, Schleimhäute
Schlafprobleme, innere Unruhe, Schwierigkeiten abzuschalten
Beschwerden, die sich bei Wärme oder starker Sonne verschlimmern
Unterstützende Ernährung & Lebensweise:
Vermeide stark scharfe Gewürze, Alkohol, Gegrilltes, rotes Fleisch
Wähle milde, kühlende Lebensmittel wie Birne, Gurke, Spargel, Minze, Brennnessel
Am besten leicht gegart – z. B. gedämpfter Spargel oder Birnenkompott. Rohkost geht, aber nur, wenn die Milz stark ist
Wenn die Verdauung stabil ist: etwas Naturjoghurt, eingeweichte Nüsse und Samen können Yin aufbauen
Frische Kräuter wie Melisse, Koriander, Basilikum kühlen und stärken
Ungesüßte, leicht säuerliche Säfte (z. B. Granatapfel, Hibiskus) sind hilfreich – aber bitte ohne Eis
Sauna lieber im Winter – nicht mitten im Sommer
Und wichtig: Pausen, Ruhe, Atem – Kühlen ja, aber sanft, nicht mit Eisschock
Geschmack und Yin/Hitze:
Sauer stärkt Yin – besonders wichtig bei Trockenheit, Schweiß oder Hitzeempfindlichkeit
Bitter leitet Hitze aus – hilfreich bei innerer Unruhe, Irritationen oder Hautreaktionen
Yang-Mangel oder innere Kälte
Du bist jemand, der ständig friert. Eine wandelnde Eisstatue.
Dein Bauch will Wärme, du suchst Decken, Hände und Füße bleiben das ganze Jahr über kalt.
Der Körper wirkt träge, besonders morgens, und die Stimmung gleich mit.
Kälte von außen verschlimmert vieles – Steifheit, Schmerzen, manchmal sogar Krämpfe.
Hier brauchen Yang und die Zirkulation Unterstützung – nicht zuletzt auch das Leber-Qi.
Typische Zeichen für Yang-Mangel oder innere Kälte:
Kalte Extremitäten, besonders in Ruhe
Träge Verdauung, weicher Stuhl, Blähungen
Niedrige Energie, besonders morgens
Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit
Schmerzen oder Krämpfe verschlimmern sich durch Kälte
Symptome verbessern sich durch Wärme oder Sonne
Unterstützende Ernährung & Lebensweise:
Warme, gekochte Speisen – Eintöpfe, Suppen, Schmorgerichte
Geeignet sind Wurzelgemüse, Lamm, Huhn, Hafer, schwarzer Sesam, frischer Ingwer, Zimt
Wärmende Tees, z. B. Mischungen mit Zimt, Ingwer, Nelken
Vermeide Rohkost, kalte, feuchte oder schwere Lebensmittel (Smoothies, Milchprodukte, Obst direkt aus dem Kühlschrank)
Halte Bauch und unteren Rücken warm – Wolle direkt auf der Haut wirkt Wunder
Sanfte, regelmäßige Bewegung – am besten am Morgen
Und das Wichtigste: Wärme zulassen – körperlich und seelisch
Geschmack und Yang/Kälte:
Warm bis heiß stärkt Yang – besonders über längere Zeit
Scharf (Ingwer, Knoblauch, Schnittlauch) vertreibt Kälte und bewegt das Leber-Qi
Kombinierter Yin- und Yang-Mangel
Du magst Wärme – aber sie wird dir schnell zu viel.
Du bist müde, kannst aber nicht richtig ausruhen. Du frierst manchmal, wirst aber auch leicht überhitzt.
Es fühlt sich an, als wäre immer irgendwo ein Ungleichgewicht, egal ob Wetter, Essen oder Schlaf.
Hier fehlen sowohl Yin (Flüssigkeiten, Nährstoffe, Ruhe) als auch Yang (Wärme, Kraft, Zirkulation).
Der Körper kann sich nicht mehr gut selbst regulieren – und du erlebst alles ein bisschen durcheinander.
Dieses Muster ist häufig nach Stress, Erschöpfung, Geburt oder Krankheit.
Typische Zeichen:
Wechselnde Empfindlichkeit für Kälte und Wärme
Müdigkeit, die sich durch Ruhe nicht bessert
Innere Unruhe trotz Erschöpfung
Kalte Füße + Schweiß oder Trockenheit + Frösteln
Schlafprobleme, PMS, geringe Stresstoleranz
Unterstützende Ernährung & Lebensweise:
Regelmäßigkeit: feste Essenszeiten, genügend Schlaf, weniger Überreizung
Schonende, nährende Kost: Hühnerbrühe, Hirse, Süßkartoffel, Möhre, schwarze Bohnen
Extreme vermeiden: Fasten, exzessiver Sport, zu viel Kälte oder Hitze
Entspannung und sanfte Bewegung: Yin Yoga, Spaziergänge, ruhiges Liegen mit Decke
Geschmack & Temperatur:
Sowohl wärmend als auch kühlend – Yin und Yang brauchen beide Unterstützung
Süß fördert Nährstoffe und Feuchtigkeit
Sauer bewahrt die Körpersäfte
Insgesamt: mild wärmend, nicht eiskalt – aber auch nicht brennend heiß
Hitze oben – Kälte unten
Du bist gerötet im Gesicht, hast vielleicht Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Ärger – und gleichzeitig kalte Füße, geschwollenen Bauch oder empfindliche Verdauung.
Der Körper wirkt gespalten: oben zu heiß, unten zu kalt.
Das zeigt, dass der Körper die Wärme nicht regulieren kann – sie staut sich oben, während unten Kälte und Stagnation bleiben.
Wichtig: Es sieht manchmal aus wie Yin-Mangel – aber hier muss man das Yang unten stärken, damit die Wärme gehalten werden kann.
Wenn man nur „oben kühlt“, kann das Yang noch mehr verschwinden – und die Balance bricht weiter zusammen.
Typische Zeichen:
Rötung, Hitze, Unruhe im Gesicht und Brustbereich
Kopfschmerzen, Schwindel, Halsentzündungen
Blutdruck neigt zum Ansteigen (kann aber viele Ursachen haben – genaue Differenzierung nötig)
Kalte Füße, Frieren im Unterkörper
Geschwollener Bauch, kalte Bauchdecke
Durchfälle ohne Geruch oder träge Verdauung
Was hilft:
Yang von unten wärmen – z. B. Wurzelgemüse (Karotte, Pastinake, Süßkartoffel)
Wärmende Gewürze: Rosmarin, Zimt, Nelke, Fenchel
Nicht „kühlen“, sondern von unten stabilisieren
Sauer (Zitrone, Granatapfel, Essig im Essen) kann helfen, Wärme zu halten
Ideal: eine warme Suppe oder ein Eintopf mit frischen Kräutern obendrauf – die Basis bleibt warm
Füße, Lenden und Bauch warmhalten – durch Kleidung und Ernährung
Fazit: Dein Körper spricht – hörst du zu?
Dein Körper spricht mit dir. Jeden Tag.
Durch Wärme, Kälte, Schlaf, Appetit, Stimmung, Haut, Puls, Verdauung, Atmung.
Und das Schöne ist:
Du kannst zuhören – und antworten.
Du musst nicht alles selbst wissen. Aber du kannst beginnen hinzuspüren – und kleine Anpassungen machen.
Und wenn du nicht weiterkommst:
Hol dir Unterstützung bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten für chinesische Medizin. Oft reicht schon ein kleiner Schritt, damit etwas in deinem Körper zur Ruhe kommt.
Wenn du direkt beginnen möchtest:
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