Einatmen. Ausatmen. Loslassen. – Lunge & Dickdarm verstehen
Lunge & Dickdarm im Fokus – als Teil unserer Grundlagen-Serie über die Zang-Fu-Organe.
Dies ist der vierte Teil der Serie über die Organe nach der Chinesischen Medizin.
Nachdem wir uns Herz, Dünndarm, Milz und Magen gewidmet haben, geht es heute um die Lunge und ihren Partner, den Dickdarm – das Organpaar des Metall-Elements.
Hast du die anderen Teile verpasst?
Du findest sie alle übersichtlich auf meinem Blog.
Die Lunge – Baldachin des Körpers
Die Lunge gilt in der chinesischen Medizin als der „Baldachin des Körpers“ – sie überspannt wie ein schützendes Dach den oberen Teil unseres Systems.
Durch sie nehmen wir die Qi der Himmel auf – den Atem, die Lebenskraft, den Rhythmus.
Mit jedem Einatmen holen wir die Welt in uns hinein.
Mit jedem Ausatmen geben wir zurück, was wir nicht mehr brauchen.
Die Lunge steuert Qi und Atmung – doch ihre Wirkung reicht weit über den Brustkorb hinaus.
Sie ist eng verbunden mit unserer Haut, mit unserer Körperoberfläche, mit dem, was uns von der Außenwelt trennt.
Die Lunge verteilt und reguliert Wei Qi, unsere schützende Abwehrenergie. Sie tut das nicht allein:
Die Milz wandelt Nahrung und Getränke in Nähr-Qi um,
die Nieren liefern tiefe Lebensessenz (Jing) und Wärme,
die Leber sorgt für freien Fluss.
Erst dann führt die Lunge diese schützende Energie nach außen, wo sie wie ein unsichtbarer Schild an der Haut wirkt und uns gegen äußere Einflüsse stärkt.
Sind die Lungen stark, sind wir widerstandsfähig – nicht nur gegen Infekte, sondern auch gegen äußere Reize, Kritik, emotionale Erschütterungen.
Sind sie geschwächt, werden wir anfälliger: für Erkältungen, für Hautirritationen, für Verletzlichkeit.
Atembewegung und Emotionen
Die Energie der Lunge bewegt sich nach unten – vom Himmel in den Körper, über den Atem tief ins Innere.
Wenn diese Bewegung blockiert ist – etwa durch Trauer, Verlust oder Erschöpfung – sinken die Schultern, der Brustkorb kollabiert, die Atmung bleibt flach.
Es fühlt sich an, als ob der innere Raum kleiner wird.
Manchmal fehlt die Kraft, „ganz durchzuatmen“.
Emotionell sind die Lungen mit Trauer verbunden – und mit unserer Fähigkeit, loszulassen.
Wenn sie im Gleichgewicht sind, können wir Abschiede durchleben, ohne in ihnen unterzugehen.
Wir erinnern uns, ohne gefangen zu sein.
Wenn sie in Disharmonie sind, halten wir fest – an Beziehungen, an Schmerzen, an Vorstellungen davon, wie das Leben hätte sein sollen.
In der Lunge wohnt Po, die körperliche Seele.
Sie steht für Rhythmus, Instinkt, Reflexe – für unser körperliches Gedächtnis.
Sie verankert uns im Spüren, im Takt des Lebens, in der Einfachheit, überhaupt da zu sein.
Die Lungen zeigen sich im Zustand der Haut und der Nase:
trockene oder blasse Haut, wiederkehrende Ausschläge oder ein besonders empfindlicher Geruchssinn sind Hinweise, dass das Metall-Element Aufmerksamkeit braucht.
Der Dickdarm – das Loslassen lernen
Der Dickdarm ist der Yang-Partner der Lunge.
Er nimmt auf, was übrigbleibt – das, was der Körper nicht mehr braucht – und gibt es ab.
Doch auch hier geht es nicht nur um das Physische.
Der Dickdarm symbolisiert die Fähigkeit, Abschlüsse zu vollziehen.
Loszulassen.
Zu klären, was nicht mehr zu uns gehört.
Wenn der Dickdarm im Gleichgewicht ist, haben wir einen natürlichen Rhythmus.
Wir stauen nicht, wir klammern nicht, wir halten nicht fest.
Doch wenn er stagniert, bleibt nicht nur der Körper, sondern oft auch das Leben „voll“ und unbeweglich.
Verstopfung, Bauchspannung, das Gefühl, etwas nicht loswerden zu können – alles kann sich auf seelischer Ebene spiegeln.
Metall – der Übergang
Lunge und Dickdarm bilden zusammen das Metall-Element, das uns lehrt, Altes zu verabschieden, um Platz für Neues zu schaffen.
Es ist das Element des Herbstes – der Jahreszeit, in der Blätter fallen, Nebel den Morgen einhüllt und die Natur beginnt, sich zurückzuziehen.
Wir nähern uns nun dieser Zeitqualität – und damit auch der inneren Einladung, uns selbst zu klären:
Was möchtest du behalten?
Was darf gehen?
Wo ist es Zeit für einen bewussten Abschied?
Lunge & Dickdarm erinnern uns: Atme ein. Atme aus.
Lass dich berühren – und lass los.
Jeder Atemzug ist ein Anfang und ein Ende.
Noch einmal Erde, bevor der Herbst kommt
Bevor wir endgültig ins Metall-Element übergehen, widmen wir uns am 1. Oktober noch einmal der Erde – und damit der Milz.
In meinem neuen Workbook „Zurück zur Erde“ erforschen wir die Kraft der Mitte, das Thema Nahrung (für Körper und Seele) und die Kunst, Stabilität in uns selbst zu finden.
Das Workbook ist Teil der Mitgliedschaft (18 €/Monat) – oder auch einzeln erhältlich:
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Ausblick: Nieren & Blase
In der nächsten Woche erscheint hier der Artikel zu Niere und Blase – dem Organpaar des Wassers.
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