Die Kraft der Gojibeere
Was die roten Beeren wirklich leisten – jenseits vom „Superfood“-Trend
Gojibeeren – Wirkung und Anwendung in der Chinesischen Medizin
In der chinesischen Medizin gehört Gouqizi (枸杞子), die Gojibeere, zu den am häufigsten verwendeten und zugleich sanftesten Heilpflanzen. Diese kleinen roten Beeren werden seit über zweitausend Jahren genutzt, um Yin zu nähren, die Nieren zu stärken und das Leberblut aufzubauen.
Während sie im Westen oft als „Superfood“ gelten, haben sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) einen festen Platz: Sie werden als mildes, gut verträgliches Tonicum eingesetzt – vor allem in Phasen von hormonellen Veränderungen, Erschöpfung oder Regeneration.
TCM-Profil der Gojibeere
Chinesischer Name: 枸杞子 (Gǒu qǐ zǐ)
Geschmack: süß
Natur: neutral
Meridiane: Leber, Nieren, Lunge
Hauptwirkungen:
nährt Yin von Leber und Nieren
baut Blut auf
stärkt Jing (Essenz, Konstitution)
unterstützt die Augen
befeuchtet die Lunge
Damit wirkt die Gojibeere sowohl auf die strukturelle Ebene (Yin, Blut) als auch auf die tiefe Lebensenergie (Jing) – sie ist besonders wertvoll in Zeiten der Erholung, hormonellen Umstellung oder bei längerfristiger Belastung.
Zyklus und Fruchtbarkeit
Eine gesunde Menstruation und Fruchtbarkeit beruhen in der TCM auf drei zentralen Faktoren:
Nieren-Jing – Grundlage für Eizellqualität und reproduktive Vitalität
Nieren-Yin – für ausreichende Befeuchtung und den Aufbau von Schleimhäuten
Leber-Blut – für die Gebärmutterschleimhaut und die emotionale Stabilität
Gojibeeren unterstützen genau diese drei Ebenen. Besonders in der ersten Zyklusphase – wenn Yin und Blut aufgebaut werden – sind sie sinnvoll.
Praktisch: eine Handvoll Beeren im Tee, im Frühstücksbrei oder als kleiner Snack.
Gojibeeren in den Wechseljahren
Die Wechseljahre werden in der TCM als Phase gesehen, in der Jing und Yin natürlicherweise abnehmen. Je nach Vorgeschichte kann aber auch Yang-Mangel im Vordergrund stehen (z. B. nach vielen Geburten, Stress oder Erschöpfung).
Beschwerden bei Yin-Mangel: Hitzewallungen, Nachtschweiß, Unruhe, Schlafstörungen
Beschwerden bei Yang-Mangel: Kältegefühl, Antriebslosigkeit, Wassereinlagerungen
Die Gojibeere ist hier besonders interessant, weil sie beide Seiten stützen kann:
sie nährt Yin → Kühlung, Befeuchtung, Beruhigung
sie stützt Yang → Wärme, Aktivität, bessere Zirkulation
sie stärkt Jing → tiefere Vitalität
sie baut Blut auf → mehr emotionale Stabilität
Damit ist sie ein vielseitiges Mittel in den unterschiedlichen Facetten der Wechseljahre.
Blut, Yin und Jing im Zusammenhang
Blutmangel zeigt sich körperlich (z. B. blasse Haut, Schwindel, schwache Menstruation) und psychisch (Schlafstörungen, Unruhe, mangelnde innere Stabilität).
Yin-Mangel äußert sich in Gereiztheit, Trockenheit, nervöser Anspannung.
Jing-Mangel kann sich als tiefe Erschöpfung, beschleunigtes Altern und verminderte Regenerationsfähigkeit zeigen.
Gojibeeren wirken auf allen drei Ebenen ausgleichend – durch eine sanfte, kontinuierliche Stärkung.
Praktische Anwendung im Alltag
Gojibeeren lassen sich unkompliziert integrieren:
als Tee oder Abkochung
in Suppen und Brühen
im Frühstücksbrei
als Snack
Gerade bei viel Bildschirmarbeit sind sie hilfreich, da sie traditionell zur Stärkung von Leber und Augen genutzt werden.
Rezeptideen
1. Gojitee mit roten Datteln
1 EL Gojibeeren
5 entsteinte rote Datteln
6–7 dl Wasser
(optional: 1 Scheibe Ingwer)
20 Minuten köcheln lassen, warm trinken. Gut für Blutaufbau und Beruhigung.
2. Gojiporridge
½ dl Reis oder Hirse
1 EL Gojibeeren
4 dl Wasser
(optional: Sesam, Walnüsse, rote Datteln)
Zu einem weichen Brei kochen, Beeren am Ende zugeben.
3. Tinktur oder Aufguss
2 EL Gojibeeren
5 rote Datteln
3 Scheiben Dang Gui (falls vorhanden)
5 dl Rotwein oder Traubensaft
Mit Rotwein: 7–10 Tage ziehen lassen, täglich ein kleines Glas (30 ml).
Mit Traubensaft: 24 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, dann abseihen.
Rotwein-Variante: wärmend, bei Blutmangel und Kälte
Traubensaft-Variante: kühlend, bei Yin-Mangel mit Hitze
Fazit
Die Gojibeere ist ein vielseitiges, mildes Tonicum in der chinesischen Medizin. Sie stärkt Yin, Blut und Jing, unterstützt Augen, Nieren und Leber – und eignet sich besonders bei Zyklusbeschwerden, Kinderwunsch, Wechseljahres-Symptomen und allgemeiner Erschöpfung.
Ihre Wirkung entfaltet sich am besten durch regelmäßige Anwendung in kleinen Mengen – nicht als schneller Effekt, sondern als kontinuierliche Unterstützung für Vitalität und Balance.
✨ Wenn dir dieser Artikel gefallen hat und du tiefer in die chinesische Medizin einsteigen möchtest:
Als Mitglied von Wurzel & Wandlung erhältst du monatlich ein ausführliches Workbook (25–30 Seiten) mit Theorie, Übungen und Reflexionsfragen – sowie exklusive Artikel rund um Ernährung, Kräuter und die Grundlagen der TCM.
👉 Werde Mitglied hier:
So unterstützt du meine Arbeit – und erhältst zugleich regelmäßig Inspiration und Wissen für deinen eigenen Weg.



