Das Zentrum in der Mitte
In der chinesischen Medizin ist die Mitte mehr als nur eine anatomische Lagebeschreibung. Sie ist der Ort, an dem Nahrung zu Lebenskraft wird. Die Organe Milz (Pi) und Magen (Wei) bilden gemeinsam das Zentrum, das uns nährt, stabilisiert und trägt – sowohl körperlich als auch seelisch.
Während die westliche Medizin Milz und Magen eher getrennt betrachtet – die Milz als Teil des Immunsystems, den Magen als Verdauungsorgan – denkt die chinesische Medizin in Funktionen, Bewegungen und Beziehungen. Zusammen verkörpern Milz und Magen das Element Erde: den Boden, auf dem wir stehen, die Mitte, die uns immer wieder ins Gleichgewicht bringt.
Die Aufgaben von Milz & Magen in der TCM
Der Magen ist wie ein Kessel, der die Nahrung aufnimmt, sie „gart“ und in eine verdauliche Form bringt. Seine Bewegung geht abwärts – er leitet die Speisen in die weitere Verdauung.
Die Milz hingegen extrahiert die feine Essenz aus dieser Nahrung, wandelt sie in Qi (Lebensenergie) und Blut um und verteilt sie im Körper. Ihre Bewegung geht aufwärts – sie hebt die klare Essenz empor, bis ins Herz und in die Lunge, wo sie mit Atemluft verbunden wird.
Nur im Zusammenspiel der beiden kann Nahrung wirklich zu Lebenskraft werden. Deshalb nennt man Milz und Magen auch das Wurzelwerk des Nach-Himmels-Qi – die Quelle all jener Energie, die wir täglich durch Essen und Trinken aufnehmen.
Die Erde in uns
Das Element Erde steht für Stabilität, Nährung, Mitte und Ausgleich. Wenn die Erde stark ist, fühlen wir uns geerdet, stabil und in uns ruhend. Wir haben genügend Kraft für die Aufgaben des Alltags, aber auch die Fähigkeit, andere zu versorgen und zu umsorgen.
Zeichen einer starken Erde sind:
gute Verdauung
gesunder Appetit
klare Gedanken
innere Ruhe und Ausgeglichenheit
Wenn die Erde jedoch geschwächt ist, zeigt sich das schnell: Müdigkeit, Heißhunger auf Süßes, Völlegefühl, Blähungen oder eine „neblige“ Gedankenwelt („brain fog“) sind klassische Symptome. Auch emotionale Muster wie Grübeln, Sorgen oder ein Feststecken im Denken sind Ausdruck einer schwachen Milz.
Emotionale und geistige Aspekte
Die Milz ist in der chinesischen Medizin nicht nur ein Verdauungsorgan – sie ist auch verantwortlich für unsere Gedankenklarheit und Konzentration. Ein Übermaß an Sorgen oder ständiges Nachdenken schwächen die Milz, genau wie zu viel Feuchtigkeit im Körper.
Das Element Erde ist auch das Zentrum unseres Mitgefühls. Wer in seiner Mitte ruht, kann anderen Menschen nähren und unterstützen, ohne sich dabei selbst zu erschöpfen. Fehlt die Erd-Kraft, kippt Mitgefühl leicht in Selbstaufopferung – wir geben, ohne selbst genährt zu sein.
Ernährung für eine starke Mitte
Die alte chinesische Lebenspflege rät:
Gekochte, warme Speisen stärken die Milz – kalte Rohkost hingegen erschwert ihre Arbeit.
Süßer Geschmack in Maßen (z. B. durch Kürbis, Karotten, Datteln, Reis) nährt die Erde. Zu viel Zucker hingegen schwächt sie.
Regelmäßige Mahlzeiten sind wichtiger als extreme Diäten oder ständiges Snacken.
Kräuter wie Ingwer, Zimt oder Fenchel können die Mitte wärmen und unterstützen.
So wird Ernährung nicht zu einem starren Regelwerk, sondern zu einer Form von Selbstfürsorge, die uns ins Gleichgewicht bringt.
Ein Bild zum Mitnehmen
Stell dir deine Mitte vor wie einen fruchtbaren Ackerboden. Alles, was du ihm gibst – Nahrung, Gedanken, Gefühle – wird dort verarbeitet. Ist der Boden warm, nährstoffreich und gepflegt, wachsen dort starke Pflanzen, die dir Kraft geben. Wird er hingegen kalt, überflutet oder ausgelaugt, verliert er seine Fruchtbarkeit.
Die Pflege von Milz und Magen bedeutet also: den Boden nähren, auf dem dein Leben steht.
Und jetzt zu dir
Die Mitte ist nicht nur ein Konzept, sie ist gelebte Erfahrung. Deshalb möchte ich dich einladen:
Wie spürst du deine Mitte im Alltag?
Gibt es bestimmte Speisen oder Rituale, die dir helfen, dich geerdet zu fühlen?
Schreibe es gerne in die Kommentare – so können wir voneinander lernen.
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