Die 8 Leitkriterien der TCM – wie dein Körper spricht und was er braucht
Teil der Serie „Grundlagen der chinesischen Medizin“
Die acht diagnostischen Leitkriterien – Signale erkennen und richtig deuten
Hast du dich schon einmal gefragt, warum manche Dinge deine Beschwerden sofort lindern – und anderes alles schlimmer macht?
In meinen Behandlungen stelle ich fast immer eine Frage:
„Was hilft? Und was verschlimmert es?“
Das ist kein Smalltalk. Die Antwort führt mich oft direkt ins Zentrum der chinesischen Diagnostik: zu den acht Leitkriterien (八綱, bā gāng) – dem ältesten und grundlegendsten System, mit dem in der chinesischen Medizin Symptome eingeordnet, Muster erkannt und Behandlungswege geöffnet werden.
Sie sind wie eine innere Landkarte. Wenn wir sie verstehen, können wir erkennen, ob es sich um Kälte oder Hitze handelt, ob etwas im Mangel oder im Überfluss ist und ob ein Problem oberflächlich sitzt oder bereits in die Tiefe gegangen ist.
Und das Beste: Du kannst diese Leitkriterien selbst nutzen, um deinen Körper besser zu verstehen und zu spüren, was er braucht.
1. Yin – Yang
Definition:
Yin und Yang sind die grundlegendste Achse der chinesischen Medizin. Sie beschreiben Gegensätze, die sich gegenseitig bedingen – Tag und Nacht, Ruhe und Bewegung, Kälte und Wärme. Nichts existiert isoliert.
Yin steht für das Kühlende, Nährende, Aufbauende und Ruhige.
Yang steht für das Warme, Bewegende, Transformierende und Aktive.
Wenn Yin und Yang im Gleichgewicht sind, fühlen wir uns wohl: Wir haben Energie, wenn wir sie brauchen, und können loslassen, wenn der Körper Ruhe braucht. Wird dieses Gleichgewicht gestört, entstehen Beschwerden.
Typische Anzeichen
Yin-Mangel:
Wärmegefühl abends oder nachts
Trockene Haut oder Schleimhäute
Innere Unruhe
Ein- oder Durchschlafprobleme
Schlanke oder eher zarte Statur
Yang-Mangel:
Frieren, kalte Hände oder Füße
Müdigkeit
Langsame Verdauung, weicher Stuhl
Blasse und manchmal geschwollene Körperform
Geringerer Appetit, Vorliebe für Warmes
Was hilft?
Bei Yin-Mangel:
Yin-nährende Lebensmittel wie Birnen, schwarzer Sesam, Algen, Tofu, Spargel
Pausen, Schlaf, weniger Kaffee, Alkohol und Bildschirmzeit am Abend
Bei Yang-Mangel:
Lang gekochte Eintöpfe mit Lamm oder Huhn
Gewürze wie Kardamom, Fenchel, Muskat, Anis
Füße und Lendenbereich warmhalten
Weniger Rohkost und kalte Getränke
2. Leere – Fülle (Xu – Shi)
Definition:
Leere bedeutet, dass etwas fehlt – Energie, Blut, Wärme, Yin oder Yang.
Fülle bedeutet, dass etwas zu viel ist – Hitze, Kälte, Schleim, Stagnation oder äußere Pathogene, die blockieren.
So kannst du sie unterscheiden:
Leere (Mangel):
Beschwerden verschlimmern sich nach Belastung
Besserung nach Essen oder Ruhe
Schmerz ist eher dumpf und langanhaltend
Verstärkung am Abend oder bei Erschöpfung
Allgemeine Schwäche oder Instabilität
Fülle:
Schmerz verstärkt sich bei Druck
Symptome sind stark, plötzlich, deutlich
Schmerz ist stechend, pochend oder drückend
Besserung durch Bewegung, Verschlechterung in Ruhe
Oft begleitet von Völle, Schwellung oder Stau
Deutliche Signale: Fieber, Röte, Schleim, laute Stimme
Was hilft?
Bei Leere:
Aufbau durch warme, nährende Mahlzeiten
Regelmäßige Ruhe
Sanfte Bewegung
Bei Fülle:
Bewegung und Atemübungen zur Lösung von Stagnation
Je nach Ursache mildes Schwitzen, Ableiten oder Entlasten
3. Kälte – Hitze (Han – Re)
Definition:
Kälte verlangsamt und zieht zusammen.
Hitze beschleunigt und dehnt aus.
Erkennungszeichen:
Kälte:
Frieren, kalte Extremitäten
Schmerzen, die sich durch Wärme bessern
Blasse oder bläulich wirkende Haut oder Lippen
Langsame Verdauung, weicher Stuhl
Müdigkeit und verlangsamte Bewegung
Hitze:
Hitzegefühl im Körper oder Gesicht
Durst, Wunsch nach Kaltem
Rötung, evtl. Schwitzen
Gereiztheit, Unruhe
Dunkler Urin, trockener Stuhl
Was hilft?
Bei innerer Kälte:
Wärmen: Moxa, Wärmflasche, Ingwer, wärmende Öle
Gewürze wie Chili, Zimt, Nelke, Fenchel
Fußbäder mit Senfmehl
Bei innerer Hitze:
Bitteres und absenkendes wie Grapefruit, Rucola
Frische Lebensmittel
Äußerlich kühlen
Bei äußerer Wind-Kälte oder Wind-Hitze siehe unten.
4. Innen – Außen (Li – Biao)
Definition:
Äußere Zustände entstehen durch Einflüsse wie Wind, Kälte, Hitze oder Feuchtigkeit. Sie sitzen zunächst oberflächlich – in Haut, Muskeln, Leitbahnen – und zeigen sich akut und deutlich.
Dringen sie tiefer, entstehen innere Muster und organbezogene Beschwerden.
Unbehandelte äußere Faktoren können innere Schwächen erzeugen – das erklärt z.B., warum Menschen nach Infekten mit Verdauung, Blase oder Gelenken kämpfen.
Unterscheidung:
Äußere Muster:
Plötzlicher Beginn
Fieber/Frösteln
Muskel- oder Gliederschmerzen, steifer Nacken
Symptome verändern sich innerhalb von Stunden oder Tagen
Innere Muster:
Der äußere Faktor ist eingedrungen
Hitze (Entzündung), Kälte (chronischer Schmerz), Feuchtigkeit (Schwellung), Schleim (Blockade)
Langsame Entwicklung oder chronischer Verlauf
Was hilft?
Bei äußeren Zuständen:
Patogen ausleiten, bevor er tiefer geht.
Wind-Kälte:
Poren öffnen und wärmen
Lauch-Miso-Suppe, Ingwerdekokt, Moxa, Wärmflasche, Fußbad
Wind-Hitze:
Wärme ableiten und kühlen
Minze- oder Chrysanthementee, Birne, Gurke
Keine scharfen Gewürze oder Alkohol
Bei inneren Mustern richtet sich die Behandlung nach dem Typ:
Innere Kälte: Wärmen, Stagnation lösen
Innere Hitze: Kühlen, nach unten leiten
Innere Feuchtigkeit/Schleim: Verdauung stärken, Feuchtigkeit trocknen, Zirkulation fördern
Zum Abschluss
In der Realität überlagern sich oft mehrere Ebenen: Organschwäche, Schleim, Blutstagnation, äußere Einflüsse, Emotionen.
Aber hier anzufangen – mit den acht Leitkriterien – ist ein erster Schritt.
Ein Weg, bewusster wahrzunehmen, was dein Körper dir mitteilt.
Denn er spricht mit dir – ständig.
Die Frage ist nur: hörst du zu? 👂❤️
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