Der Weg der Rose – zwischen Holz und Feuer
Über Qi, Blut und die Kraft der Rose in der Chinesischen Medizin.
Der Duft der Rose ist für mich eine Erinnerung – an die flirrende Luft eines heißen Sommertages, an die schwerelose Stille des Lichts, wenn alles stillzustehen scheint.
Ein Flüstern von Ruhe, von Weichheit, von etwas, das gleichzeitig öffnet und hält.
Ein Augenblick der Stille, als hielte die Zeit den Atem an.
Es ist etwas Besonderes am Duft der Rose.
Die feine Süße, das sommerliche Licht, das in jedem Blütenblatt getragen wird.
Die Rose steht für Liebe, Leidenschaft, Offenheit – aber auch für Grenze, Integrität und Ruhe.
Sie erinnert an diese flirrende Pause an einem heißen Tag, wenn alles langsamer wird, das Leben in der Schwebe vibriert – Siesta, milde Suspension.
Sie spricht nicht nur zum Herzen, sondern zu unserem ganzen Wesen.
Mei Gui Hua – das Rosenwesen in der Chinesischen Medizin
In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört Mei Gui Hua (玫瑰花) – die Rosenknospe – vor allem zum Holz-Element, hat aber einen indirekten Einfluss auf das Feuer, indem sie das Holz harmonisiert.
Sie reguliert das Qi der Leber, löst Stagnation und schafft die Voraussetzung dafür, dass Freude entstehen kann.
Denn wenn das Holz blockiert ist, kann das Feuer nicht entzündet werden – und das Leben fühlt sich abgeschnitten an.
Mei Gui Hua wird eingesetzt, um:
das Leber-Qi zu regulieren
Milz und Magen zu harmonisieren
Menstruationsschmerzen zu lindern
emotionale Stagnation zu lösen, die sich auf Verdauung oder Stimmung auswirkt
Sie ist eine Begleiterin, wenn wir zu sanfter Bewegung, zu innerem Kontakt und Gleichgewicht zurückfinden wollen.
Mei Gui Hua bewegt vor allem das Qi, während Yue Ji Hua (Flos Rosae Chinensis) stärker auf das Blut wirkt.
Yue Ji Hua – Bewegung und Reinigung des Blutes
Yue Ji Hua, oft als „chinesische Rose“ übersetzt, sind die geöffneten Blütenblätter von Rosa chinensis.
Diese Art unterscheidet sich von Mei Gui Hua, die aus getrockneten Knospen besteht.
Yue Ji Hua hat eine kraftvollere Wirkung auf das Blut und wird in der chinesischen Medizin genutzt, um:
Blutstagnation zu lösen
prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen und Bauchschmerzen zu lindern
Hautgeschwüre, Schwellungen und Entzündungen zu behandeln, die durch Blut- und Qi-Stagnation mit Hitze entstanden sind
Man sagt, Yue Ji Hua gehe direkt in die Leber-Leitbahn und habe eine leicht entgiftende Wirkung.
Sie wird verwendet, wenn das Blut so stark stagniert, dass der Körper bereits Zeichen von Entzündung oder Überhitzung zeigt – wie scrofulöse Knoten, Akne oder toxische Hautausschläge.
Sie kann mit Mei Gui Hua kombiniert werden, wenn sowohl Qi als auch Blut bewegt werden müssen – besonders bei menstruationsbedingten Ungleichgewichten.
Rose als Alltagsmedizin
In vielen arabischen Kulturen ist es üblich, Rosenwasser in Süßspeisen zu verwenden – von Baklava bis Sirup und Gelee.
Kein Wunder: In Zeiten von Hitze und Trockenheit bringt die Rose Kühlung, Weichheit und Freude.
Sie beruhigt die Leber und nährt das Herz – sowohl emotional als auch körperlich.
Rezept: Rosensirup
Ja, es enthält Zucker – aber manchmal darf es im Sommer auch etwas Süßes sein, um das Leber-Qi zu beruhigen und das Herz zu nähren.
Nicht in großen Mengen trinken – aber als gelegentliche Freude kann es heilsam sein, für Körper und Seele.
Zutaten für 1 Ansatz:
750 g Zucker
1 l Wasser
120 g Rosenblätter
4 Bio-Zitronen
Zubereitung:
Rosenblätter und in Scheiben geschnittene Zitronen in eine große Schüssel geben.
Wasser und Zucker aufkochen, bis sich der Zucker gelöst hat. Etwas abkühlen lassen.
Die Zuckerlösung über Blüten und Zitronen gießen. Abdecken und 2–3 Tage kühl stehen lassen, zwischendurch umrühren.
Abseihen, bei Bedarf mit etwas Zitronensaft abschmecken und in Flaschen füllen.
Kühl und dunkel lagern. Hält mindestens ein Jahr, kann auch eingefroren werden.
💡 Serviertipp: in Prosecco, Weißwein, Mineralwasser oder über Vanillepudding träufeln.
Rezept: Rosenessig
Besonders hilfreich bei PMS oder während der Menstruation:
1 EL in einem Glas warmem Wasser täglich – bei Bedarf bis zu 3x pro Tag.
Rosenvinäger bewegt das Blut und löst Stagnation – sanft, aber wirksam.
Zutaten:
1 l guter Apfelessig
ca. 200 g Rosenblätter
Zubereitung:
Rosenblätter in ein großes Glasgefäß geben, mit Essig übergießen.
Blätter unter der Oberfläche halten – ggf. kleines Glasgewicht verwenden oder täglich umrühren.
Flüssigkeitsstand prüfen und bei Bedarf auffüllen.
Nach 4 Wochen abseihen und in Flaschen abfüllen.
Weitere Anwendungen der Rose
Die Heilkraft der Rose ist vielfältig. Nicht nur Mei Gui Hua und Yue Ji Hua tragen diese Qualitäten – auch viele andere unbehandelte, duftende Rosen, besonders alte Sorten wie Damaszener- oder Zentifolienrosen, können verwendet werden:
Echte ätherische Rosenöl-Mischung: Einige Tropfen in Basisöl, sanft unter der Nase oder über das Herz reiben – beruhigt bei Nervosität, Herzklopfen, innerer Anspannung. (Nur hochwertige Öle verwenden – viele kommerzielle Produkte sind gestreckt oder synthetisch. Ich persönlich empfehle doTERRA.)
Abendtee: Mei Gui Hua-Knospen + Zitronenmelisse, Kamille, Minze – beruhigt Leber- und Herz-Qi und entspannt die Nerven.
Menstruationstee: Trockene Rosenblätter (Yue Ji Hua oder duftende Gartenrosen) + Kurkuma – bewegt Blut und Qi, löst Krämpfe und wärmt sanft den Unterleib.
Die Energie der Rose
Die Energie der Rose ist nicht sentimental – sie ist klar, friedvoll, aber auch willensstark.
Sie hilft uns nicht, Emotionen zu umgehen, sondern lehrt uns, sanft hineinzuschmelzen.
Wenn das Holz frustriert ist und das Feuer erloschen scheint, lädt die Rose uns ein, das innere Licht neu zu entzünden.
Vielleicht tragen wir also etwas von der Rose mit uns:
ihren Duft, ihre Stärke im Sanften und ihre Fähigkeit, das Verhärtete zart zu öffnen.



